Wenn du deine erste Reise nach China planst, ist das Thema Transport oft eine Herausforderung. Ich kann dich beruhigen: Zugfahren in China ist unglaublich komfortabel, effizient und oft sogar schneller als ein Flug, wenn man weiß, wie es funktioniert. Zugfahren in China ist deutlich anders als wir es aus Europa gewohnt sind. Die riesigen Bahnhöfe, die chinesischen Schriftzeichen und die strikten Kontrollen können einen am Anfang leicht überfordern. Damit du dich bei deinem Abenteuer nicht im System verläufst, habe ich dir diese Anleitung zum Zugfahren in China zusammengestellt. Ich nehme dich an die Hand, damit du stressfrei durch China reist und an dein Ziel kommst.
Vor der Fahrt: Tickets frühzeitig buchen
Der Unterschied zu Europa beginnt schon vor der eigentlichen Reise. In China sind Zugtickets personalisiert und oft schnell ausverkauft. Ein wichtiger Fakt: Tickets gehen erst 14 Tage vor Reiseantritt in den Verkauf. Besonders auf beliebten Strecken oder vor Feiertagen solltest du pünktlich zum Buchungsstart zuschlagen.
Für die Buchung deiner Zugtickets hast du grundsätzlich zwei Optionen:
- Drittanbieter: Dies ist die einfachste Variante für Reisende. Drittanbieter wie Trip.com (externer Affiliate Link) bieten englischsprachige User Interfaces und internationale Zahlungsmittel an. Ein weiterer großer Vorteil ist, dass du schon vorab Tickets reservieren kannst. Der Anbieter kauft sie dann automatisch für dich, sobald das offizielle Zeitfenster öffnet. Dafür fällt meist eine kleine Buchungsgebühr an.
- Offizielle App: Die offizielle App der Bahn (Railway 12306) hat mittlerweile ein englisches User-Interface. Die Registrierung ist etwas mühsam, aber du zahlst den Originalpreis und kannst via Alipay oder WeChat Pay bezahlen.
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Im chinesischen Zugnetz gibt es unterschiedliche Züge und Buchungsklassen. Ich empfehle dir auf jeden Fall immer wo möglich den Schnellzug zu nutzen. Du erkennst die Schnellzüge an der Zugnummer, die mit einem G beginnt. Diese Schnellzüge sind nicht nur am schnellsten, sondern auch am komfortabelsten. In Sachen Komfort hast du außerdem die Wahl zwischen mehreren Buchungsklassen:
- 2. Klasse: Vergleichbar mit der 2. Klasse in europäischen Fernzügen.
- 1. Klasse: Vergleichbar mit der 1. Klasse in europäischen Fernzügen. Mehr Beinfreiheit und etwas mehr Ruhe.
- Business Class: Vergleichbar mit der Business Class auf Langstreckenflügen. Die Sitze lassen sich wie im Flugzeug komplett flach stellen, du hast viel Privatsphäre und oft sind Snacks inklusive. Ein echtes Erlebnis, das das Zugfahren in China auf ein neues Niveau hebt! Diese Buchungsklasse ist allerdings auch deutlich teurer als die Standardsitze.
Am Bahnhof: Zeitplanung und Sicherheitskontrollen
Hier beginnt der anspruchvollste Teil eurer Reise. Am Bahnhof ankommen, euren Zug finden und idealerweise im richtigen Wagen einsteigen. Damit vor dem Zugfahren nichts schief geht, hier eine kurze Anleitung: Bahnhöfe in China ähneln eher modernen Flughäfen als klassischen Kopfbahnhöfen. Plane ein, etwa 60 Minuten, spätestens aber 40 Minuten vor Abfahrt vor Ort zu sein.
Dein wichtigstes Dokument ist dein Reisepass. Ein ausgedrucktes Ticket benötigst du nicht, da dein Pass im System als dein digitales Ticket hinterlegt ist. Beim Betreten des Bahnhofs findet der erste Check statt. Da die automatischen Schranken oft nur chinesische IDs lesen können, halte Ausschau nach dem manuellen Schalter mit Personal. Nach dem Ticket-Check folgt eine Sicherheitskontrolle deines Gepäcks.
In der riesigen Wartehalle suchst du auf den Anzeigetafeln nach deiner Zugnummer. Achte auf das Schriftzeichen für Bahnsteig: 检票口 (jiǎnpiàokǒu – Ticket-Gate). In chinesischen Bahnhöfen kann man allerdings erst kurz vor Einfahrt des Zuges an das Gleis – üblicherweise ca. 15min vor geplanter Abfahrt. Stellt euch daher pünktlich am passenden Ticket-Gate an und wartet auf den Start der erneuten Ticketkontrolle.
Am Gleis angekommen, wartet die letzte Herausforderung: den richtigen Waggon finden. Die Züge sind sehr lang und die Haltezeit kurz. Daher gibt es Markierungen am Boden in verschiedenen Farben, die die Wagenreihung anzeigen. Da die Anzeige der aktuellen Farbe für die Zugmarkierung oft nur auf Chinesisch erfolgt, frag am besten kurz einen Mitarbeiter am Gleis – ein einfaches Zeigen auf deine Wagennummer auf dem Handy reicht meist völlig aus.
Während der Fahrt: Service am Platz und Highspeed-Feeling
Sobald du sitzt, beginnt der entspannte Teil. Da die Tickets schon am Bahnhof kontrolliert wurden, findet im Zug selbst keine Kontrolle mehr statt. Achte trotzdem darauf, dass du dich auf deinen reservierten Sitzplatz setzt. Da in chinesischen Zügen Reservierungspflicht besteht, kommt es ansonsten schnell zu Verwirrung.
Die Züge liegen unglaublich ruhig auf den Schienen, selbst wenn das Display an der Wand über 300 km/h anzeigt. An jedem Sitz findest du außerdem einen QR-Code. Scannst du diesen mit WeChat oder Alipay, kannst du Getränke, Snacks und in manchen Zügen sogar einen Starbucks-Kaffee direkt an deinen Platz bestellen.
In einigen Zügen gibt es sogar die Möglichkeit, Essen von Restaurants am nächsten Bahnhof der Strecke zu bestellen. Ein Mitarbeiter der Bahn bringt deine Bestellung am nächsten Bahnhof in den Zug. Nach Abfahrt liefert das Zugpersonal die Bestellung direkt an deinen Platz. So kannst du sogar wahrend der Zugfahrt dein favorisiertes Fast Food essen und bist nicht durch die Auswahl im Bordrestaurant limitiert.
Einziger Wermutstropfen: Die Netzabdeckung ist während der Fahrt oft instabil. Lade dir deine Filme oder Podcasts am besten vorher herunter.




Ankunft und die „Train Hacks“ für Notfälle
Bei der Ankunft am Zielbahnhof musst du deinen Reisepass ein letztes Mal beim Verlassen des Bahnhofs einscannen. Willkommen am Ziel!
Was aber tun, wenn alles ausverkauft ist? Hier eine Anleitung für Last Minute Buchungen beim Zugfahren in China:
Wichtig ist nur, dass dein Startbahnhof Teil deiner Zugbuchung ist. Manchmal ist noch eine Teilstrecke deiner Reise verfügbar. Das gibt dir zwei Möglichkeiten:
- Früheren Startbahnhof buchen: Du kannst ein Ticket mit Abfahrt an einem früheren Bahnhof kaufen und dann erst bei deinem eigentlichen Startbahnhof zusteigen.
Zum Beispiel: Du möchtest von den Wasserstädten in Suzhou zur Verbotenen Stadt nach Peking: Wenn die Tickets ab Suzhou ausverkauft sind, schau, ob es noch Tickets ab dem Startbahnhof (z. B. Shanghai) gibt. Du kannst das Ticket ab Shanghai kaufen, aber erst in Suzhou zusteigen. - Späteren Zielbahnhof buchen: Wenn dein Zielbahnhof nicht verfügbar ist, kauf ein Ticket bis zu einem Halt davor. Bleib einfach im Zug sitzen und zahle die Differenz beim Personal nach oder am Zielbahnhof am Sonderschalter nach. Das ist zwar nicht die feine englische Art, wird aber akzeptiert, solange du die Differenz begleichst.
Zum Beispiel: Du möchtest von Peking nach Shanghai, um die beeindruckende Skyline am Bund zu bestaunen. Wenn die Tickets bis Shanghai ausverkauft sind, schau, ob es noch Tickets bis zu einem früheren Bahnhof auf dem Weg (z.B. Suzhou) gibt.
Mein persönliches Fazit: Warum ich Zugfahren in China liebe
Wenn ich ehrlich bin, bin ich jedes Mal wieder fasziniert von der Effizienz dieses Systems. Am Bahnhof kann es hektisch zugehen und die Sicherheitschecks kosten Zeit, aber sobald man im Zug sitzt, ist das Reisen mit der Bahn sehr entspannt. Ich hoffe, dass dir dabei diese Anleitung zum Zugfahren in China hilft, den Überblick zu behalten. Für mich ist die Bahn in China mittlerweile das Transportmittel Nummer eins und oft sogar schneller als das Flugzeug, wenn man die Anfahrt zum Flughafen und das Boarding mit einrechnet. Ich persönlich würde mir jedenfalls wünschen, dass wir uns in Europa eine Scheibe von dieser Pünktlichkeit und Effizienz abschneiden könnten.
Planst du gerade deine erste Reise nach China oder hast du schon Erfahrungen mit den Schnellzügen in China gemacht? Schreib es mir gerne in die Kommentare – ich freue mich auf den Austausch mit dir!
6 Gedanken zu „Zugfahren in China: Eine Anleitung für Individualreisende“