
Mitten im historischen Herz der chinesischen Hauptstadt, liegt ein futuristisches architektonisches Meisterwerk. Das nationale Konzertgebäude von Peking, das National Center for the Performing Arts, liegt mit seiner einzigartigen Architektur wie ein gläserner Wassertropfen in einem künstlichen See. Das National Center for the Performing Arts – oder auf Chinesisch das Nationale Zentrum für Darstellende Künste (国家大剧院, Guójiā Dà Jùyuàn) – ist eine oft übersehene Sehenswürdigkeiten der Stadt. In diesem Artikel nehme ich euch mit auf eine Entdeckungstour durch die Architektur von Peking, gebe euch praktische Tipps für Anreise und Einlass ins Konzertgebäude und teile meine ganz persönlichen Erfahrungen eines chinesischen Konzertabends.
Die spektakuläre Architektur des Konzertgebäudes als schwimmende Insel in Peking
Das National Center for the Performing Arts wurde vom renommierten französischen Architekten Paul Andreu entworfen und im Dezember 2007 feierlich eröffnet. Die futuristische Architektur bildet einen ganz bewussten Kontrast zu den traditionellen roten Mauern und der sowjetisch geprägten Monumentalarchitektur in Peking. Im Volksmund wird das Konzertgebäude wegen seiner markanten elliptischen Kuppelform liebevoll und treffend „Das Riesenei“ (巨蛋, Jùdàn) genannt.
Die schiere Dimension des Bauwerks ist beeindruckend: Die Kuppel überspannt in Ost-West-Richtung rund 212 Meter und in Nord-Süd-Richtung etwa 143 Meter bei einer Höhe von knapp 46 Metern. Sie wurde bewusst knapp unter der Höhe der benachbarten Großen Halle des Volkes (人民大会堂, Rénmín Dàhuìtáng) gehalten. Die Außenhaut besteht aus über 18.000 maßgefertigten Titanplatten und mehr als 1.000 Glaselementen, die sich wie ein Theatervorhang in der Mitte teilen und tagsüber natürliches Licht ins Foyer strömen lassen.
Die gesamte Kuppel liegt dabei wie eine Insel inmitten eines 35.500 Quadratmeter großen künstlichen Sees. Es gibt keine sichtbaren Brücken über das Wasser. Stattdessen gelangt man über einen rund 80 Meter langen unterirdischen Tunnel in das Foyer. Die Decke dieses Tunnels besteht aus Glas, sodass das Wasser des Sees direkt über den Köpfen der Besucher plätschert. An sonnigen Tagen kann man dadurch faszinierende Lichtreflexe an den Wänden des Tunnels beobachten.
Wird dich die Architektur des Konzertgebäudes in Peking begeistern? Meine Bewertung:
Hier findest du einen schnellen Überblick, ob dir das Konzertgebäude in Peking und seine Architektur gefallen wird:
| Authentizität | 🍌🍌🍌 (3/5) | Natur | 🍌 (1/5) |
| Andrang | 🍌🍌🍌🍌 (4/5) | Budget | 🍌🍌🍌🍌 (4/5) |
| Zugänglichkeit | 🍌🍌🍌🍌🍌(5/5) | Lifestyle & Entertainment | 🍌🍌 (2/5) |
| Geschichte & Kultur | 🍌🍌🍌🍌🍌 (5/5) | Fotogenität | 🍌🍌🍌🍌(4/5) |
Drei Konzertsäle in einem Gebäude vereint
Unter der gewaltigen Schale verbergen sich drei eigenständige Hauptsäle, die durch weitläufige Terrassen und Freitreppen miteinander verbunden sind.
- Das Opernhaus: Mit über 2.000 Plätzen ist es der größte prunkvollste Saal und dominiert das Zentrum des Konzertgebäudes. Das Opernhaus verfügt es über eine der fortschrittlichsten Bühnenmaschinerien weltweit mit dreh-, fahr- und neigbaren Elementen. Hier finden groß angelegte westliche Opern, klassisches Ballett und aufwendige zeitgenössische chinesische Tanzdramen statt.
- Der Konzertsaal: Dieser Saal besticht durch ein klares, silbrig-weißes Farbkonzept und bietet knapp 2.000 Zuschauern Platz. Sein geschwungenes Deckendesign erinnert an fließende Schallwellen und garantiert eine außergewöhnlich klare, natürliche Akustik. Blickfang an der Stirnseite ist eine monumentale Pfeifenorgel mit mehr als 6.500 Pfeifen – eine der größten Orgeln in ganz Asien.
- Das Schauspielhaus: Dieser Saal mit rund 1.000 Plätzen widmet sich vor allem dem Theater sowie traditionellen chinesischen Aufführungen. Die Wände sind stilvoll mit echter Seide verkleidet, was dem Raum eine intime und zugleich traditionsreiche Note verleiht.


Praktische Tipps: Anreise, Einlass und Sicherheitskontrollen
Anreise: Am schnellsten und unkompliziertesten erreicht ihr das Konzertgebäude mit der Subway Line 1 an der Station Tian’anmen West (天安门西站, Tiān’ānmén Xī Zhàn). Der Ausgang C führt über eine direkte unterirdische Verbindung geradewegs in das Foyer des Konzerthauses.
Eintritt und Sicherheitskontrollen: Wie bei fast allen Sehenswürdigkeiten rund um den Tian’anmen-Platz gelten auch im Konzertgebäude strenge Sicherheitsstandards. Plant daher ausreichend Zeit vor der Vorstellung ein:
- Ausweispflicht: Für chinesische Staatsbürger ist das Ticket mit der ID-Nummer verknüpft, die gleichzeitig als Eintrittsnachweis genutzt wird. Als ausländische Touristen bucht ihr das Ticket in der Regel mit eurer Reisepass Nummer. Da euer Reisepass nicht an den elektronischen Gates gescannt werden kann, müsst ihr zuerst zu einem der Ticketschalter gehen, die links und rechts von den elektronischen Gates liegen. Dort könnt ihr euren Reisepass zeigen und werdet für die elektronischen Gates freigeschaltet.
- Sicherheitskontrolle: Nach der Ticketkontrolle ähnelt der Prozess der Sicherheitskontrolle an einem Flughafen. Flüssigkeiten sind in geringen Mengen erlaubt und müssen während der Kontrolle kurz vorgezeigt werden. Das Mitbringen aller gefährlichen Gegenstände, wie zum Beispiel Taschenmesser, ist nicht erlaubt.
- Tickets: Tickets für Aufführungen können über die offizielle Ticket Plattform (externer Link) gekauft werden. Die offizielle Plattform ist allerdings leider nur auf chinesisch verfügbar. Falls ihr keine Vorstellung besuchen wollt, aber das Gebäude von innen sehen möchten, gibt es tagsüber auch die Gelegenheit Tickets für eine Besichtigung zu buchen. Die Tickets für eine Besichtigung bucht ihr am einfachsten über den Anbieter Trip.com (Affiliate Link).
Ich empfehle euch Tickets für eine Vorführung zu kaufen und ungefähr 45 Minuten früher anzukommen. Das gibt euch genug Zeit entspannt durch die Einlasskontrollen zu gehen und danach noch das architektonisch sehr interessante Gebäude zu besichtigen. Eine tolle Gelegenheit traditionell chinesische Aufführungen mit architektonisch interessantem Sightseeing zu verbinden.
Ein kleines Abenteuer am Rande: Dass die Sicherheitsvorkehrungen kein theoretisches Konstrukt sind, durfte ich einmal selbst erfahren. Ich wollte an einem Abend direkt nach Feierabend zu einem Konzert und dachte mir naiv, dass es mit dem Didi (chinesisches Uber) am schnellsten geht. Was ich dabei völlig verdrängt hatte: In der direkt angrenzenden Großen Halle des Volkes fand ausgerechnet an diesem Abend ein bedeutendes politisches Treffen statt. Das Resultat war ein Nervenkitzel: Mein Fahrer geriet auf dem Weg in eine Polizeikontrolle nach der anderen und die Straßen waren eigentlich für den normalen Verkehr schon längst gesperrt. Nach und nach verschwanden alle anderen Fahrzeuge, bis wir buchstäblich als eines der letzten Autos auf den Straßen unterwegs waren. Am Ende stand ich tatsächlich auf den allerletzten Drücker im Konzertsaal. Also: Erspart euch diesen Stress und nehmt wirklich die U-Bahn!
Zwischen Akustik und Kulturschock: Meine persönlichen Eindrücke
Das Klangerlebnis im Inneren hält absolut, was die äußere Hülle verspricht. Die Akustik im Konzertsaal hat mich wirklich überzeugt. Ebenso überwältigend war das Bühnenbild im Opernhaus für mich. Ich habe eine Auffürung der Oper Madama Butterfly gesehen und war sehr beeindruckt. Der erste Akt der Oper spielt in einem japanischen Garten und auf der Bühne wurde extra dafür sogar ein künstlicher Fluss mit Booten angelegt. Eine Bühneninszenierung mit einem Aufwand, den ich in Europa so nur selten gesehen habe.
Gleichzeitig bietet der Besuch spannende Einblicke in die Unterschiede der Theaterkultur zwischen China und Europa. Was die musikalische Qualität betrifft, erreichen die lokalen Orchester oft noch nicht ganz das spielerische Niveau etablierter europäischer Spitzenorchester. Außerdem gibt es einen auffälligen Kulturunterschied im Verhalten des Publikums Das chinesische Publikum ist deutlich unverkrampfter und teils fast desinteressiert. Viele Zuschauer nutzen während der Aufführung ihre Smartphones, um kurze Videos aufzunehmen, Fotos zu schießen oder Mitteilungen zu tippen, sodass immer wieder helle Bildschirme im Saal aufleuchten. Auch das Ende einer Vorstellung verläuft ganz anders als gewohnt: Der Applaus am Ende der Aufführung fällt meist verhalten und kurz aus. Kaum ist der letzte Ton verklungen, setzt eine zügige Aufbruchstimmung ein, und die Ränge leeren sich in Windeseile.
Mein Fazit – ein lohnenswerter Abstecher für Architektur- & Kulturbegeisterte
Das National Center for the Performing Arts ist ein faszinierendes Konzertgebäude mit beeindruckender Architektur in Peking. Wer ohnehin den Tian’anmen-Platz oder die Verbotene Stadt besucht, sollte den kurzen Abstecher zum künstlichen See unbedingt einplanen – die futuristische Kuppel ist schon von außen ein spektakuläres Fotomotiv. Weitere lohnenswerte Ziele in Peking findest du übrigens in meinem Artikel der besten Sehenswürdigkeiten in Peking.
Ein Blick ins Innere lohnt sich dabei vor allem für zwei Gruppen: Einerseits für Architekturbegeisterte, die das einzigartige Raumgefühl und den Gang unter dem See erleben möchten. Andererseits für alle Kulturinteressierten, die Lust auf einen besonderen Theater- oder Opernabend haben. Egal ob aufwendig inszenierte westliche Klassiker oder traditionelle chinesische Stücke: Allein die monumentalen Bühnenbilder und die spannenden Einblicke in das Verhalten des lokalen Publikums machen den Besuch zu einer lohnenden Erfahrung.
Ward ihr schon einmal im „Riesenei“ in Peking oder habt ein Konzert an einem anderen Ort in Asien besucht? Welche Erfahrungen habt ihr mit den Unterschieden im Publikum gemacht? Schreibt es mir gerne unten in die Kommentare – ich freue mich auf den Austausch mit euch!