Der Jing’an Tempel: Ein buddhistischer Tempel im Zentrum von Shanghai

Stell dir vor, du stehst mitten in Shanghai an einer der belebtesten Kreuzungen. Um dich herum findest du gläserne Shopping-Malls, futuristische Wolkenkratzer und die goldenen Dächer eines Tempels. Du stehst vor dem Jing’an Tempel (静安寺, Jìng’ān Sì) – ein buddhistischer Tempel in Shanghai, der mich bei meinem Besuch vor allem durch den harten Kontrast zur Umgebung tief beeindruckt hat.

Der Name bedeutet übersetzt eigentlich „Tempel des Friedens und der Ruhe“. Ich muss ehrlich zu dir sein: Ruhe wirst du hier heute kaum noch finden. Inmitten eines der belebtesten Viertel Shanghais ist der Tempel ein absoluter Publikumsmagnet. Aber genau diese Spannung zwischen jahrtausendeealter Tradition und dem pulsierenden Leben der Moderne macht ihn zu einem der fotogensten Orte der Stadt.

Eine bewegte Geschichte zwischen Flüssen und Fabriken

Wenn du heute diesen prachtvollen buddhistischen Tempel in Shanghai besuchst, blickst du auf eine über 1.700-jährige Geschichte zurück – auch wenn die Gebäude, die du siehst, deutlich jünger sind. Ursprünglich wurde der Tempel bereits im Jahr 247 n. Chr. zur Zeit der Wu-Dynastie am Ufer des Suzhou-Flusses errichtet. Damals trug er noch den Namen Chongyuan Tempel (重元寺, Chóngyuán Sì).

Da der Fluss jedoch immer wieder über die Ufer trat, wurde die gesamte Anlage im Jahr 1216 während der Song-Dynastie an ihren heutigen Standort an der Nanjing Road verlegt. In der jüngeren Geschichte erlebte der Tempel bewegte Zeiten: Während der Kulturrevolution (ab 1966) wurde er als Kunststofffabrik genutzt. 1972 wurde er bei einem Brand stark beschädigt. Erst ab 1983 begann der schrittweise Wiederaufbau woraufhin der Tempel 1990 wieder für die Öffentlichkeit zugänglich wurde. Die markante Jing’an Pagode wurde sogar erst im Jahr 2010 fertiggestellt.

Mehr zur Geschichte Shanghais hier.


Passt ein buddhistischer Tempel in deinen Shanghai Reiseplan? Meine Bewertung:

Hier findest du einen schnellen Überblick, ob dir ein Besuch des Jing’an Tempels gefallen wird:

Authentizität🍌🍌🍌 (3/5)Natur🍌 (1/5)
Andrang🍌(1/5)Budget🍌🍌🍌 (3/5)
Zugänglichkeit🍌🍌🍌🍌🍌(5/5)Lifestyle & Entertainment🍌🍌 (2/5)
Geschichte & Kultur🍌🍌🍌🍌 (4/5)Fotogenität🍌🍌🍌🍌(4/5)

Was dich in den drei Hallen des Tempels erwartet

Sobald du den Innenhof des Tempels betrittst, fällt dir wahrscheinlich sofort der große Bronzeschrein ins Auge. Hier kannst du beobachten, wie Besucher versuchen, Münzen hineinzuwerfen – ein fast schon spielerisches Ritual, das direkt zum Mitmachen einlädt und für eine lockere Stimmung sorgt.

Ein absolutes Muss ist die Mahavira Halle. Hier findest du die größte Jade-Buddhastatue Chinas. Sie ist 3,8 Meter hoch, wiegt stolze 11 Tonnen und wurde aus einem einzigen Stück reiner Jade gefertigt. Während die Statue beeindruckend ist, wirkt die Halle durch den nackten Beton und das Fehlen klassischer Verzierungen fast etwas lieblos. Der Kontrast zwischen der kostbaren Jade und dem grauen Beton nimmt der Szenerie leider ein wenig von ihrem Zauber.

Dafür entschädigt das eigentliche Herzstück der Anlage: die zentrale Daxiongbao Halle. In ihrem Inneren thront ein gigantischer Silber-Buddha von fast neun Metern Höhe, der aus 15 Tonnen Silber gegossen wurde. Besonders beeindruckend ist die Konstruktion der Halle selbst. Für die tragenden Säulen wurden tonnenschwere Teakholzstämme aus Myanmar importiert, was dem Raum eine enorme Stabilität und eine sehr klassische, edle Ästhetik verleiht.

Östlich der Haupthalle solltest du zudem die Guanyin Halle (观音殿, Guānyīn Diàn) besuchen. Dort erwartet dich eine wunderschöne Statue der Göttin der Barmherzigkeit, die aus duftendem Kampferholz geschnitzt wurde und auf einem Lotusthron steht.

Meine Geheimtipps für den perfekten Blick:

Verpasse auf keinen Fall den Aufgang zur zweiten Etage! Der Tempel wird fast vollständig von einem begehbaren Rundgang umschlossen. Von hier oben hast du eine fantastische Perspektive auf das Treiben im Innenhof und kannst die goldenen Ziegel der Dächer noch besser sehen. Auf dieser Ebene findest du auch die historische Hongwu Glocke aus der Ming-Dynastie, eine gewaltige Bronzeglocke von 3,5 Tonnen Gewicht.

Den absolut besten Blick auf die goldenen Dächer vor der Skyline der Hochhäuser hast du übrigens nicht im Tempel selbst, sondern von der Fußgängerbrücke über der Kreuzung West Nanjing Road / Huashan Road. Besonders zum Sonnenuntergang leuchten die goldenen Dächer des Tempels regelrecht.

Planung deines Tempel Besuchs in Shanghai

Der Besuch lässt sich wunderbar in einen Tag in Shanghai integrieren, da die Anbindung perfekt ist.

  • Anfahrt: Am einfachsten nimmst du die U-Bahn (Linie 2, 7 oder 14) bis zur Station Jing’an Temple (静安寺站).
  • Eintritt: Der Eintritt kostet 50 CNY (ca. 6,50 €).
  • Tickets: Du kannst sie direkt vor Ort oder online über den offiziellen WeChat-Account kaufen.
  • Öffnungszeiten: Täglich von 07:30 bis 17:00 Uhr.
  • Zeitaufwand: Plane etwa 1,5 Stunden ein, um alles in Ruhe zu sehen.

Der Jing’an Tempel lässt sich damit perfekt mit anderen Sehenswürdigkeiten in Shanghai kombinieren. Hole dir gerne in meinem Artikel zu den besten Sehenswürdigkeiten in Shanghai weitere Inspiration.

Mein persönliches Fazit: Lohnt sich der Besuch des Jing’an Tempel in Shanghai?

Ich bin ehrlich zu euch: Wenn ihr schon viele Tempel in Asien gesehen habt, werdet ihr im Jing’an Tempel nicht viel Neues entdecken. Er ist ein touristischer Hotspot und definitiv kein Ort für stille Meditation oder tiefe Spiritualität.

Trotzdem hat mich der Besuch fasziniert. Was diesen buddhistischen Tempel in Shanghai so besonders macht, ist seine unschlagbare Lage. Wer Kultur und Geschichte erleben will, ohne dafür weit aus dem modernen Stadtzentrum herauszufahren, ist hier genau richtig. Der Anblick der goldfarbenen Dächer des Tempels inmitten der futuristischen Shopping Malls ist zudem ein Symbol für das moderne, aufstrebende China.

2 Kommentare zu „Der Jing’an Tempel: Ein buddhistischer Tempel im Zentrum von Shanghai“

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